Pflege Prüfungswissen (Heike Witt, Prüfkompass Verlag) · Zu jeder Nummer im Buch: Lösung, kurze Erklärung, Merksatz.
Nr. 1Falsch
Der Pflegeprozess ist ein informelles Konzept zur Dokumentation von Krankheitssymptomen, das primär auf die medizinische Diagnosestellung ausgerichtet ist.
Die Aussage ist falsch. Der Pflegeprozess ist kein informelles Konzept zur Symptomdokumentation und zielt auch nicht vorrangig auf die ärztliche Diagnosestellung. Richtig ist, dass er eine feste, professionsspezifische Arbeitsmethode der Pflegefachpersonen darstellt, mit der Pflegesituationen strukturiert erfasst, geplant, durchgeführt und bewertet werden. Er gilt als Problemlösungsprozess, der die Pflege organisiert, und dient nicht der medizinischen Diagnostik.
Merke: Der Pflegeprozess strukturiert pflegerisches Handeln und ersetzt keine ärztliche Diagnostik.
Nr. 2Richtig
Das Vier-Phasen-Pflegeprozessmodell nach Yura und Walsh umfasst die Schritte Assessment, Planung, Intervention und Evaluation.
Die Aussage ist richtig. Das Vier-Phasen-Pflegeprozessmodell nach Yura und Walsh gliedert den Pflegeprozess in Assessment, Planung, Intervention und Evaluation. Im Assessment werden Informationen zum Pflegebedarf gesammelt, in der Planung werden Pflegediagnosen und Ziele formuliert und Maßnahmen geplant. Die Intervention meint die Durchführung der geplanten Pflegemaßnahmen, die Evaluation bewertet das erreichte Pflegeergebnis sowie die Pflegequalität. Dieses Modell bildet außerdem die Grundlage für das spätere Strukturmodell.
Merke: Vier Phasen ordnen den Pflegeprozess von der Einschätzung bis zur Bewertung.
Nr. 3Falsch
Im ADPIE-Modell nach NANDA steht das „D“ für Dokumentation.
Die Aussage ist falsch. Im ADPIE-Modell nach NANDA steht das D nicht für Dokumentation. Gemeint ist die Diagnose: die gesammelten Daten werden strukturiert, gebündelt und ausgewertet, um aktuelle und mögliche Probleme sowie vorhandene Ressourcen zu erkennen und zu ordnen. Die Dokumentation der eigentlichen Pflegehandlungen erfolgt erst in einem späteren Schritt, der Implementierung.
Merke: Das D in ADPIE steht für Diagnose, nicht für Dokumentation der Pflegehandlungen.
Nr. 4Falsch
Das Zwei-Schritt-Pflegeprozessmodell nach Fiechter und Meier hat im deutschsprachigen Raum eine große Bedeutung und wird standardmäßig verwendet.
Die Aussage ist falsch. Ein Zwei-Schritt-Modell nach Fiechter und Meier gibt es nicht, ihr Ansatz besteht aus sechs Schritten. Richtig ist, dass dieses Sechs-Schritt-Pflegeprozessmodell im deutschsprachigen Raum große Bedeutung hat und in vielen Einrichtungen als Richtlinie für die Pflegeplanung dient. Es umfasst unter anderem Informationssammlung, Problem- und Ressourcenerfassung, Zielformulierung, Maßnahmenplanung, Durchführung und Evaluation.
Merke: Fiechter und Meier gliedern den Pflegeprozess in sechs, nicht in zwei Schritte.
Nr. 5Falsch
Im Sechs-Schritt-Modell nach Fiechter und Meier werden direkte Informationen als Informationen über den Pflegeempfänger durch Dritte definiert.
Die Aussage ist falsch. Im Sechs-Schritt-Modell sind direkte Informationen gerade jene, die unmittelbar vom Pflegeempfänger selbst stammen, nicht Angaben Dritter über ihn. Indirekte Informationen entstehen dagegen aus Aussagen oder Beobachtungen anderer Personen über den Pflegeempfänger, etwa aus Berichten von Angehörigen oder anderen Berufsgruppen. Diese Unterscheidung ergänzt die weitere Trennung zwischen subjektiven Einschätzungen und objektiv messbaren Angaben bei der Informationssammlung.
Merke: Direkte Informationen stammen vom Pflegeempfänger selbst, indirekte von anderen Personen.
Nr. 6Richtig
Ressourcen sind Fähigkeiten, Fertigkeiten und Möglichkeiten des Pflegeempfängers, gesundheitliche Problemlagen aufzuheben oder zu kompensieren.
Die Aussage ist richtig. Ressourcen bezeichnen im Sechs-Schritt-Modell die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Möglichkeiten, über die ein Pflegeempfänger verfügt, um gesundheitliche Beeinträchtigungen auszugleichen oder zu bewältigen. Sie werden nach Art unterschieden, etwa körperlich-funktionelle, psychische, spirituelle, räumlich-soziale und ökonomische Ressourcen, und können je nach Situation vollständig vorhanden, eingeschränkt oder nicht gegeben sein. Die Ressourcenerfassung ergänzt damit die Einschätzung der Pflegeprobleme.
Merke: Ressourcen sind vorhandene Fähigkeiten, die bei der Bewältigung von Problemen helfen können.
Nr. 7Richtig
Im Sechs-Schritt-Modell werden Pflegeprobleme unter anderem in generelle, individuelle, aktuelle, potenzielle und verdeckte Probleme differenziert.
Die Aussage ist richtig. Bei der Erfassung von Problemen und Ressourcen im Sechs-Schritt-Modell lassen sich Pflegeprobleme nach ihrer Art einordnen. Generelle Probleme treffen typischerweise Menschen in derselben Lage, zum Beispiel nach der gleichen Operation. Individuelle Probleme ergeben sich aus der persönlichen Situation. Aktuelle Probleme liegen bereits vor, potenzielle drohen, weil ihr Auftreten wahrscheinlicher geworden ist, und verdeckte bleiben zunächst unbemerkt oder werden von anderen Beschwerden überlagert. Diese Einordnung hilft, bei der Pflegediagnostik nichts Wesentliches zu übersehen.
Merke: Pflegeprobleme lassen sich unter anderem als generell, individuell, aktuell, potenziell oder verdeckt einordnen.
Nr. 8Falsch
Die SMART-Regel dient der Formulierung von Pflegediagnosen.
Die Aussage ist falsch. Die SMART-Regel dient nicht der Formulierung von Pflegediagnosen, sondern der Festlegung von Pflegezielen innerhalb der Zielformulierung. Sie beschreibt Kriterien, nach denen ein Ziel formuliert werden sollte, etwa Bezug zur konkreten Person, Messbarkeit des Ergebnisses, Zustimmung des Pflegeempfängers sowie realistische und zeitlich klar bestimmte Erreichbarkeit. Pflegediagnosen entstehen dagegen bereits im vorherigen Schritt der Problem- und Ressourcenerfassung.
Merke: Die SMART-Regel dient der Zielformulierung, nicht der Formulierung von Pflegediagnosen.
Nr. 9Falsch
Das M in der SMART-Regel steht für Messbar und meint die Möglichkeit zur subjektiven Einschätzung ohne objektive Kriterien.
Die Aussage ist falsch. Messbar heißt nicht, dass eine freie Einschätzung ohne Kriterien genügt, sondern dass das angestrebte Ergebnis so beschrieben ist, dass sich seine Erreichung später an festgelegten Kriterien überprüfen lässt. Subjektive Angaben sind dabei nicht ausgeschlossen: Nennt ein Patient seine Schmerzstärke auf der numerischen Ratingskala, ist ein Ziel wie „Schmerz höchstens 3 von 10“ durchaus messbar. Entscheidend ist also der vorher vereinbarte Maßstab, nicht ob der Wert objektiv gemessen oder vom Menschen selbst angegeben wird.
Merke: Messbar heißt: Die Zielerreichung lässt sich an vorher festgelegten Kriterien überprüfen.
Ergänzung: SMART-Zielformulierung (Standardwissen Pflegeplanung); Schmerzselbsteinschätzung per NRS: Schmal S. 31 und DNQP-Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege.
Nr. 10Falsch
Das Strukturmodell und die Strukturierte Informationssammlung (SIS®) orientieren sich am Sechs-Schritt-Pflegeprozessmodell nach Fiechter und Meier.
Die Aussage ist falsch. Das Strukturmodell und die Strukturierte Informationssammlung orientieren sich nicht am Sechs-Schritt-Modell von Fiechter und Meier, sondern am Vier-Phasen-Pflegeprozessmodell nach Yura und Walsh. Die SIS bildet dabei die Eigeneinschätzung des Pflegebedürftigen und die fachliche Einschätzung anhand von sechs Themenfeldern ab, während die individuelle Maßnahmenplanung und das Berichteblatt weitere Bestandteile dieses Strukturmodells sind. Das Sechs-Schritt-Modell ist ein davon unabhängiges, eigenständiges Pflegeprozessmodell.
Merke: Das Strukturmodell orientiert sich am Vier-Phasen-Modell nach Yura und Walsh.
Nr. 11Richtig
Die SIS® wurde 2015 zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation eingeführt und hat Bedeutung in der Langzeitpflege.
Die Aussage ist richtig. Die SIS® kam 2015 mit dem Strukturmodell in die Praxis, das den Dokumentationsaufwand in der Pflege deutlich senken sollte. Verbreitet ist sie vor allem in stationären Langzeiteinrichtungen und ambulanten Diensten der Altenpflege. Das Strukturmodell umfasst vier Elemente: die SIS® als Einstieg, die individuelle Maßnahmenplanung, das Berichteblatt und die Evaluation. In der SIS® werden die Sicht der pflegebedürftigen Person und die fachliche Einschätzung zusammengeführt und Risiken entlang mehrerer Themenfelder erfasst.
Merke: Die SIS® ist der Einstieg ins Strukturmodell und soll den Dokumentationsaufwand senken.
Ergänzung: Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation, vier Elemente: Beikirch et al. 2017; EinSTEP (ein-step.de).
Nr. 12Richtig
Die Strukturierte Informationssammlung (SIS®) erfasst Risiken und Phänomene anhand von sechs Themenfeldern.
Die Aussage ist richtig. Die Strukturierte Informationssammlung gliedert die Erfassung von Risiken und pflegerelevanten Phänomenen in insgesamt sechs Themenfelder. Dazu zählen unter anderem die Selbstversorgung und das Leben in sozialen Beziehungen, außerdem Mobilität zusammen mit Bewegung sowie kognitive, kommunikative Fertigkeiten. Ergänzt wird dies durch krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen sowie, je nach Versorgungsform, entweder die Haushaltsführung oder das Wohnen beziehungsweise die Häuslichkeit. Innerhalb dieser Felder fließen sowohl die Eigeneinschätzung des Pflegebedürftigen als auch die fachliche Einschätzung der Pflegefachperson zusammen.
Merke: Die SIS erfasst den Pflegebedarf entlang mehrerer festgelegter Themenfelder.
Nr. 13Falsch
Das Berichteblatt im Strukturmodell dient hauptsächlich der administrativen Verwaltung von Patientendaten und hat wenig Bezug zum Pflegeprozess.
Die Aussage ist falsch. Das Berichteblatt ist kein bloßes Verwaltungsformular, sondern das zentrale Steuerungselement im Strukturmodell. Dort stehen Abweichungen von der individuellen Maßnahmenplanung, außerdem gezielte oder befristete Beobachtungen, aktuelle Ereignisse des Tages und Einzelnachweise, etwa für ärztlich verordnete Behandlungspflege oder Lagerungs- und Bewegungsprotokolle bei erhöhter Dekubitusgefahr. Die Einschätzung des Risikos selbst gehört dagegen in die SIS®. Weil das Berichteblatt Veränderungen im Verlauf sichtbar macht, hilft es, Maßnahmen rechtzeitig anzupassen, und steht damit mitten im Pflegeprozess.
Merke: Das Berichteblatt steuert den Pflegeprozess mit, indem es Abweichungen und aktuelle Beobachtungen festhält.
Nr. 14Richtig
Im ADPIE-Modell beinhaltet die Phase „Implementierung“ die Durchführung und Dokumentation von Pflegehandlungen.
Die Aussage ist richtig. Im ADPIE-Modell folgt auf die Planung die Implementierung, in der die geplanten Pflegemaßnahmen tatsächlich umgesetzt und die dabei erfolgten Handlungen festgehalten werden. Damit unterscheidet sich diese Phase vom vorangegangenen Planungsschritt, der lediglich Ziele und Maßnahmen festlegt, und vom nachfolgenden Evaluationsschritt, in dem Ablauf und Ergebnis überprüft werden.
Merke: Die Implementierung setzt geplante Pflegemaßnahmen in die Praxis um.
Nr. 15Falsch
Das Vier-Phasen-Pflegeprozessmodell wurde von Fiechter und Meier entwickelt.
Die Aussage ist falsch. Fiechter und Meier haben kein Modell mit vier Phasen vorgelegt, sondern das Sechs-Schritt-Pflegeprozessmodell, das im deutschsprachigen Raum weit verbreitet ist und vielen Einrichtungen als Orientierung dient. Seine Schritte reichen von der Informationssammlung über die Erfassung von Problemen und Ressourcen, die Zielfestlegung und die Maßnahmenplanung bis zur Durchführung und Evaluation. Das Vier-Phasen-Modell geht dagegen auf Yura und Walsh zurück und wurde von der WHO übernommen. Es umfasst Assessment, Planung, Intervention und Evaluation.
Merke: Fiechter und Meier stehen für sechs Schritte, Yura und Walsh für vier Phasen.
Nr. 16Falsch
Pflegeziele werden im Sechs-Schritt-Modell in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele kategorisiert, wobei mittelfristige Ziele nur Maßnahmen zur Schmerzlinderung umfassen.
Die Aussage ist falsch. Eine Beschränkung mittelfristiger Ziele auf Schmerzlinderung gibt es nicht; Ziele richten sich nach dem jeweiligen Pflegeproblem und den Ressourcen der Person. Außerdem vermischt die Aussage Ziele und Maßnahmen: Ein Ziel beschreibt den angestrebten Zustand, eine Maßnahme den Weg dorthin. Im Sechs-Schritt-Modell werden bei der Zielfestlegung Nah- und Fernziele unterschieden und nach der SMART-Regel formuliert. Eine feinere zeitliche Staffelung, etwa mit Zwischenzielen, ist damit nicht verboten, gehört aber nicht zur üblichen Darstellung des Modells.
Merke: Das Sechs-Schritt-Modell unterscheidet Nah- und Fernziele; kein Zeithorizont ist auf ein einzelnes Pflegeproblem festgelegt.
Ergänzung: Unterscheidung Ziel und Maßnahme: Standardwissen Pflegeplanung (u. a. I care Pflege, Fiechter/Meier).
Nr. 17Richtig
Die Maßnahmenplanung im Sechs-Schritt-Modell beantwortet die Frage „Wer macht wann, was, wie, womit?“.
Die Aussage ist richtig. Die Maßnahmenplanung im Sechs-Schritt-Modell orientiert sich an der Frage, wer wann was wie und womit durchführt. Dabei legt das Wer die Zuständigkeit fest, das Wann die Häufigkeit und Dauer, das Was die konkrete Tätigkeit, das Wie den Bezug zu aktuellem Fachwissen und hausinternen Standards und das Womit die benötigten Hilfsmittel. So entsteht eine knappe, aber eindeutige Beschreibung der geplanten Pflegemaßnahme.
Merke: Die W-Fragen legen Zuständigkeit, Häufigkeit, Inhalt und Hilfsmittel einer Maßnahme fest.
Nr. 18Richtig
Im ADPIE-Modell umfasst die Evaluation die Prozessevaluation und die Ergebnisevaluation.
Die Aussage ist richtig. Im ADPIE-Modell wird zwischen Prozessevaluation und Ergebnisevaluation unterschieden. Die Prozessevaluation überprüft den gesamten Ablauf der Pflege, während die Ergebnisevaluation feststellt, ob das angestrebte Ziel tatsächlich erreicht wurde. Damit betrachtet die Evaluationsphase sowohl die Durchführung als auch das erzielte Ergebnis der Pflegemaßnahmen, bevor über eine Fortsetzung oder Anpassung der Maßnahme entschieden wird.
Merke: Evaluation prüft sowohl den Ablauf als auch das erreichte Ziel.
Nr. 19Falsch
Subjektive Informationen sind messbare und prüfbare Gegebenheiten.
Die Aussage ist falsch. Nicht subjektive, sondern objektive Informationen sind messbare und überprüfbare Gegebenheiten; subjektive Angaben spiegeln dagegen die persönliche Wahrnehmung, Einschätzung oder das Empfinden des Pflegeempfängers wider. Bei der Informationssammlung im Pflegeprozess wird deshalb zwischen beiden Kategorien unterschieden, damit reine Beobachtungen nicht mit Meinungen oder Gefühlsäußerungen vermischt werden. Richtig ist also: Objektive Informationen sind messbar und prüfbar, subjektive Informationen beruhen auf persönlichem Erleben.
Merke: Objektiv ist messbar und prüfbar, subjektiv ist persönliches Erleben und Einschätzung.
Nr. 20Falsch
Im Pflegeprozess werden ärztlich angeordnete, eigenständige und interdisziplinäre Pflegetätigkeiten unterschieden, wobei die interdisziplinären Tätigkeiten den größten Anteil ausmachen.
Die Aussage ist falsch. Sie vermischt die Kategorien: „ärztlich angeordnet“ und „eigenständig“ beschreiben nach dem Pflegeberufegesetz dieselbe Gruppe, nämlich Aufgaben, die eine Ärztin oder ein Arzt anordnet und die Pflegefachperson in eigener Verantwortung ausführt. Dafür fehlen die selbstständigen Tätigkeiten, die Pflegende allein aufgrund ihrer Qualifikation übernehmen, etwa die Erhebung des Pflegebedarfs. Richtig ist die Dreiteilung nach § 5 Abs. 3 PflBG in selbstständige, eigenständig durchgeführte und interdisziplinäre Tätigkeiten. Eine Rangfolge nach Anteil legt das Gesetz nicht fest.
Merke: Nach PflBG gibt es selbstständige, eigenständige (ärztlich angeordnete) und interdisziplinäre Tätigkeiten, ohne festgelegte Anteile.
Nach § 5 PflBG sind ärztlich angeordnete Maßnahmen von Pflegefachpersonen eigenständig durchzuführen.
Die Aussage ist richtig. Paragraf 5 PflBG regelt die Tätigkeitsbereiche des Pflegeberufs und definiert dabei eigenständige Pflegetätigkeiten als Maßnahmen, die zwar von einer Ärztin oder einem Arzt angeordnet werden, deren praktische Umsetzung aber eigenverantwortlich bei der Pflegefachperson liegt. Diese Kategorie steht neben den selbstständigen Tätigkeiten, die ohne ärztliche Anordnung auf Basis der eigenen fachlichen Qualifikation erfolgen, sowie den interdisziplinären Tätigkeiten, die gemeinsam mit anderen Berufsgruppen erbracht werden.
Merke: Ärztlich angeordnete Aufgaben zählen zu den eigenständig durchgeführten Pflegetätigkeiten nach Paragraf 5 PflBG.
Nr. 22Richtig
Der Pflegeprozess fördert unter anderem Transparenz der pflegerischen Arbeit und Autonomie der Pflegeempfänger.
Die Aussage ist richtig. Zu den Argumenten für den Pflegeprozess zählt, dass er die Nachvollziehbarkeit pflegerischen Handelns erhöht und damit für mehr Transparenz sorgt, während er gleichzeitig die Teilhabe, Selbstbestimmung und Zufriedenheit der Pflegeempfänger stärkt. Weitere genannte Effekte sind ein gemeinschaftlicheres und kosteneffizienteres Arbeiten sowie eine höhere Pflegequalität. Der Pflegeprozess wird damit als systematischer Denk- und Handlungsansatz verstanden, der über den reinen Arbeitsablauf hinaus auch strukturelle und persönliche Vorteile für die Pflegeempfänger bringt.
Merke: Der Pflegeprozess unterstützt Transparenz, Qualität und die Autonomie der Pflegeempfänger.
Nr. 23Falsch
Die Erhebung des individuellen Pflegebedarfs und die Planung der Pflege gehören zu den ärztlich angeordneten Tätigkeiten.
Die Aussage ist falsch. Den individuellen Pflegebedarf zu erheben und die Pflege zu planen, gehört nach § 5 Abs. 3 PflBG zu den selbstständigen Aufgaben der Pflegefachperson; eine ärztliche Anordnung braucht es dafür nicht. Die Bedarfserhebung zählt zudem zu den Vorbehaltsaufgaben nach § 4 PflBG, ebenso die Steuerung des Pflegeprozesses. Ärztlich angeordnet und von Pflegenden eigenständig durchgeführt werden dagegen Maßnahmen der medizinischen Diagnostik, Therapie oder Rehabilitation, etwa eine Injektion oder ein Verbandwechsel nach Verordnung.
Merke: Pflegebedarf erheben und Pflege planen sind selbstständige Aufgaben der Pflegefachperson, keine ärztlich angeordneten.
Im Sechs-Schritt-Modell wird bei der Evaluation ein Abgleich zwischen tatsächlichem und erwartetem Ergebnis vorgenommen.
Die Aussage ist richtig. In der Evaluation wird geprüft, ob das tatsächlich erreichte Ergebnis dem zuvor formulierten Pflegeziel entspricht. Ist das Ziel erreicht, kann eine Maßnahme verringert, fortgeführt oder beendet werden. Ist es nicht erreicht, wird nach den Gründen gesucht; danach wird die Maßnahme zum Beispiel beibehalten, verstärkt oder durch eine andere ersetzt, bei Bedarf werden auch Pflegediagnose oder Ziel angepasst. Zusätzlich wird hinterfragt, ob die Veränderung wirklich auf die Pflegemaßnahme zurückgeht oder eher zufällig eingetreten ist.
Merke: Evaluation vergleicht das erreichte mit dem geplanten Ergebnis und führt bei Bedarf zu Anpassungen.
Ergänzung: Ändern oder Ersetzen der Maßnahme und Anpassen von Diagnose oder Ziel bei Nichterreichen: Standardwissen Pflegeprozess als Regelkreis (u. a. I care Pflege, ADPIE-Evaluation).
Nr. 25Falsch
Die Maßnahmenplanung im Sechs-Schritt-Modell soll so lang wie möglich formuliert werden.
Die Aussage ist falsch. Die Maßnahmenplanung soll knapp gehalten werden und nur den Umfang haben, den die konkrete Pflegesituation tatsächlich erfordert; ausführlicher als notwendig wird sie nicht formuliert. Dahinter steht die Logik der W-Fragen, mit denen präzise festgelegt wird, wer eine Tätigkeit in welcher Häufigkeit und mit welchen Hilfsmitteln übernimmt, ohne sich in überflüssigen Details zu verlieren. Richtig ist damit eine bewusst kurze, aber vollständige Formulierung statt einer möglichst langen Beschreibung.
Merke: Pflegeplanung bleibt kurz und richtet sich nach dem tatsächlichen Bedarf der Situation.
Nr. 26Falsch
Im Strukturmodell ersetzt die einfache Notwendigkeitsdokumentation die Funktion der Pflegeplanung vollständig.
Die Aussage ist falsch. Im Strukturmodell übernimmt keine einzelne, vereinfachte Dokumentationsform die Aufgabe der Pflegeplanung. Das Modell besteht aus vier Elementen: der Strukturierten Informationssammlung (SIS®), der individuellen Maßnahmenplanung, dem Berichteblatt und der Evaluation. An die Stelle der früheren Pflegeplanung tritt die individuelle Maßnahmenplanung, die auf der Einschätzung in der SIS® aufbaut. Das Berichteblatt hält vor allem Abweichungen fest, daneben gezielte Beobachtungen und aktuelle Ereignisse. Entlastung entsteht, weil regelmäßig wiederkehrende Grundpflege nicht mehr einzeln abgezeichnet wird, die Planung selbst bleibt erhalten.
Merke: Im Strukturmodell ersetzt die individuelle Maßnahmenplanung die Pflegeplanung; eine Minimaldokumentation reicht dafür nicht.
Ergänzung: Verzicht auf Einzelleistungsnachweise bei regelhaft wiederkehrender Grundpflege: Beikirch et al. 2017; EinSTEP (ein-step.de).
Nr. 27Richtig
Das Vier-Phasen-Pflegeprozessmodell, das später von der WHO übernommen wurde, geht auf Yura und Walsh zurück.
Die Aussage ist richtig. Das Vier-Phasen-Pflegeprozessmodell stammt von Yura und Walsh und wurde später von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgegriffen, weshalb es oft als WHO-Modell bezeichnet wird. Es gliedert den Pflegeprozess in Assessment, Planung, Intervention und Evaluation. Auch das Strukturmodell mit der Strukturierten Informationssammlung (SIS) orientiert sich an diesen vier Phasen. Vom Sechs-Schritt-Modell nach Fiechter und Meier, das im deutschsprachigen Raum verbreitet ist, unterscheidet es sich durch die geringere Zahl an Schritten.
Merke: Das von der WHO übernommene Vier-Phasen-Modell geht auf Yura und Walsh zurück.
Ergänzung: Dass die WHO das Modell erst nach der Erstbeschreibung durch Yura und Walsh übernahm, folgt Standardlehrbüchern, u. a. I care.
Nr. 28Richtig
Ein Pflegeassessment ist eine Vorgehensweise zur zielgerichteten Einschätzung von Pflegephänomenen.
Die Aussage ist richtig. Ein Pflegeassessment bezeichnet ein systematisches Vorgehen, mit dem Pflegefachpersonen gezielt einschätzen, welche pflegerelevanten Phänomene und Bedürfnisse bei einem Menschen vorliegen. Dazu stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, etwa das Befragen und Beobachten des Pflegeempfängers, die Auswertung vorhandener Unterlagen oder der Einsatz technischer Messgeräte. Diese zielgerichtete Einschätzung bildet die Grundlage, auf der anschließend Pflegediagnosen formuliert und passende Maßnahmen geplant werden.
Merke: Pflegeassessment bündelt Methoden wie Befragung, Beobachtung und Dokumentenanalyse zur Einschätzung.
Nr. 29Falsch
Assessmentinstrumente müssen einmalig zu Beginn des Pflegeprozesses erhoben werden und werden durch standardisierte Verlaufskontrollen ersetzt.
Die Aussage ist falsch. Assessmentinstrumente sind nicht auf eine einmalige Erhebung zu Beginn festgelegt. Wie oft und wann sie eingesetzt werden, hängt vom Zweck, von der Situation und von den Anwendungshinweisen des jeweiligen Instruments ab. Wird dasselbe Instrument wiederholt angewendet, lassen sich Veränderungen im Verlauf erkennen und Maßnahmen überprüfen, etwa bei einer erneuten Einschätzung des Sturzrisikos nach einem Sturz. Assessment und Verlaufskontrolle schließen sich also nicht aus; oft ist die erneute Einschätzung selbst die Verlaufskontrolle.
Merke: Assessments werden je nach Zweck und Anlass wiederholt und zeigen so den Verlauf, nicht nur den Ausgangsstand.
Ergänzung: Anlassbezogene Wiederholung von Einschätzungen: DNQP-Expertenstandards (z. B. Sturzprophylaxe in der Pflege).
Nr. 30Falsch
Zu den Auswahlkriterien für Assessmentinstrumente zählen primär ästhetische Aspekte und die Verfügbarkeit von Farbdruck.
Die Aussage ist falsch. Ästhetik und Farbdruck sind keine vorrangigen Auswahlkriterien. Bei der Wahl eines Assessmentinstruments zählen zunächst die Gütekriterien des Instruments selbst, etwa Objektivität, Genauigkeit und Zuverlässigkeit. Hinzu kommen Kriterien der Anwendung: Passt das Instrument zur Fragestellung und zur Zielgruppe, lässt es sich im Alltag gut handhaben, und stehen Aufwand und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis? Die Gestaltung spielt höchstens indirekt eine Rolle, zum Beispiel wenn eine gut lesbare Skala oder eine Gesichterskala die Anwendung bei Kindern erleichtert.
Merke: Assessments wählt man nach Gütekriterien und Praxistauglichkeit; Optik zählt nur, soweit sie die Anwendung erleichtert.
Ergänzung: Gesichterskalen zur Schmerzeinschätzung bei Kindern: DNQP-Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege.
Nr. 31Richtig
Assessmentmethoden umfassen unter anderem Befragung, Beobachtung, Anwendung strukturierter Instrumente und Dokumentenanalyse.
Die Aussage ist richtig. Zu den Methoden, mit denen Pflegefachpersonen ein Assessment durchführen, gehören das direkte Befragen und die Beobachtung des Pflegeempfängers, der gezielte Einsatz strukturierter Assessmentinstrumente sowie die Auswertung vorhandener Unterlagen im Rahmen einer Dokumentenanalyse. Ergänzend kann auch technisches Messgerät zum Einsatz kommen. Diese unterschiedlichen Zugänge lassen sich kombinieren, um ein möglichst vollständiges Bild der jeweiligen Pflegesituation zu erhalten.
Merke: Assessment stützt sich auf mehrere Methoden, von Befragung bis Dokumentenanalyse.
Nr. 32Richtig
Aus Pflegediagnosen lässt sich der Pflegebedarf ableiten und begründen.
Die Aussage ist richtig. Eine Pflegediagnose beschreibt den Gesundheits- oder Pflegezustand eines Menschen so präzise, dass sich daraus nachvollziehbar ableiten lässt, welche Unterstützung notwendig ist und warum. Sie bildet damit die fachliche Brücke zwischen der vorangegangenen Informationssammlung und der anschließenden Ziel- und Maßnahmenplanung. Gleichzeitig erleichtert eine klar formulierte Diagnose die Kommunikation im Team und liefert eine nachvollziehbare Begründung für die gewählte Pflege.
Merke: Eine klare Pflegediagnose begründet, welcher Pflegebedarf besteht.
Nr. 33Falsch
NANDA, ICNP und ENP sind medizinische Klassifikationssysteme zur ärztlichen Diagnosestellung und dienen vorrangig der Befunddokumentation im klinischen Bereich.
Die Aussage ist falsch. NANDA, ICNP und ENP sind keine ärztlichen, sondern pflegerische Klassifikationssysteme, mit denen Pflegediagnosen einheitlich benannt und strukturiert werden. Sie dienen also nicht der ärztlichen Diagnosestellung oder der klinischen Befunddokumentation, sondern der fachlichen Beschreibung von Pflegephänomenen im Rahmen des Pflegeprozesses. Richtig ist, dass diese Systeme von Pflegefachpersonen genutzt werden, um Pflegediagnosen zu formulieren und dadurch die Kommunikation und Qualität der Pflege zu unterstützen.
Merke: NANDA, ICNP und ENP ordnen Pflegediagnosen, keine ärztlichen Diagnosen.
Nr. 34Richtig
Die NANDA-Klassifikation unterscheidet problemfokussierende Pflegediagnosen, Risikopflegediagnosen und Pflegediagnosen der Gesundheitsförderung.
Die Aussage ist richtig. Die NANDA-I-Klassifikation kennt unter anderem diese drei Typen. Problemfokussierende Pflegediagnosen beschreiben ein bereits vorhandenes Gesundheitsproblem und folgen dem PÄS-Format aus Diagnosetitel, Ätiologie und Symptomen. Risikodiagnosen erfassen ein Problem, das noch nicht eingetreten ist, aber droht; sie bestehen aus Titel und Risikofaktoren. Diagnosen der Gesundheitsförderung drücken den Wunsch aus, Wohlbefinden oder Gesundheitsverhalten zu verbessern. Daneben führt NANDA-I Syndrom-Pflegediagnosen, die mehrere zusammen auftretende Diagnosen bündeln.
Merke: NANDA-I unterscheidet unter anderem problemfokussierende, Risiko- und Gesundheitsförderungsdiagnosen.
Ergänzung: NANDA-I Pflegediagnosen: Definitionen und Klassifikation 2021-2023 (Herdman, Kamitsuru, Lopes; dt. Ausgabe 2022): Syndrom-Diagnosen als weiterer Typ.
Nr. 35Falsch
Die Nutzung von Pflegediagnosen schwächt die Autonomie des Pflegeberufs.
Die Aussage ist falsch. Der Einsatz von Pflegediagnosen wertet den Pflegeberuf eher auf, stärkt die Autonomie der Pflegefachpersonen und unterstützt das fachliche Selbstverständnis der Profession, statt es zu schwächen. Grund dafür ist, dass eine eigenständig formulierte Pflegediagnose die fachliche Einschätzung und Entscheidung der Pflegefachperson sichtbar macht und dokumentiert. Richtig ist also, dass Pflegediagnosen die berufliche Eigenständigkeit fördern, statt sie zu beeinträchtigen.
Merke: Pflegediagnosen stärken die berufliche Eigenständigkeit, statt sie zu schwächen.
Nr. 36Richtig
Pflegediagnosen vereinfachen Kommunikationsprozesse durch Standardisierung und wirken sich positiv auf die Prozessqualität aus.
Die Aussage ist richtig. Weil Pflegediagnosen nach einheitlichen Formaten wie PÄS oder PRF aufgebaut sind, lassen sich Pflegesituationen im Team knapp und verständlich weitergeben, was den Austausch zwischen den Beteiligten erleichtert. Zugleich wirkt sich die Nutzung von Pflegediagnosen positiv auf die Pflegequalität aus, etwa weil sie eine individuell zugeschnittene Pflege sichtbar und nachvollziehbar macht. Insgesamt tragen Pflegediagnosen damit sowohl zu einer effizienteren Verständigung als auch zu einer besseren Pflegequalität bei.
Merke: Standardisierte Pflegediagnosen erleichtern die Kommunikation und unterstützen die Pflegequalität.